Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Arbeitgeberverband Versicherungen (AGV) haben sich am 30. August 2017 auf ein Tarifergebnis geeinigt. Die vierte Verhandlungsrunde für die rund 170.000 Versicherungsan-gestellten des Innendienstes fand in München statt.

Danach steigen die Gehälter der Beschäftigten in zwei Stufen
ab dem 1. November 2017 um 2,0 Prozent sowie
ab dem 1. Dezember 2018 um weitere 1,7 Prozent.


Die Vergütungen für Auszubildende wurden überproportional erhöht Die Laufzeit des Tarifvertrages wurde bis zum 31. August 2019 vereinbart.

ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Christoph Meister wertete das Ergebnis als positiv. "Der Abschluss sichert den Beschäftigten eine Reallohnsteigerung und sorgt dafür, dass die Versicherungsbeschäftigten nicht von anderen Branchen abgekoppelt werden. Das war nach dem vorherigen Angebot der Arbeitgeber nicht zu erwarten."

Die Verbesserung des Angebotes und der jetzige Abschluss hätten nur deswegen erzielt werden können, weil tausende Beschäftigte in den vergangenen Wochen und Monaten in drei Wellen ihre Arbeit niedergelegt und sich für ihre Forderungen stark gemacht hätten.

Hervorzuheben sind die umfassenden Regelungen zur Transformation der Beschäftigten in eine digitalisierte Arbeitswelt von morgen.
Ein umfassender neuer Tarifvertrag zur Qualifizierung sichert für alle Versicherungsbeschäftigten und im besonderen Maß denjenigen, deren Arbeitsplätze perspektivisch aufgrund von Digitalisierung wegzufallen drohen, einen Anspruch auf die Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen. Neu vereinbart werden konnte ein Anspruch auf Bildungsteilzeit mit Rückkehrrecht in das Unternehmen zu den bisherigen Bedingungen, Arbeitszeitverkürzung zur Vermeidung von Entlassungen und zur Sicherung von Beschäftigung mit einem Teillohnausgleich sowie einen Anspruch auf Umwandlung von Sonderzahlungen in Freizeit bei bestehenden Personalabbauplanungen.
In einer umfassenden Verhandlungsverpflichtung sind die Regelungsgegenstände eines neuen Tarifvertrages zum mobilen Arbeiten vereinbart. Zudem werde weiter ausgelotet, inwieweit ein interner Arbeitsmarkt der im Wettbewerb stehenden Unternehmen geschaffen werden kann und wie weitergehende Instrumente zur Beschäftigungssicherung geschaffen werden können.

„Wir sind zufrieden, dass nach langen und intensiven Verhandlungen ein qualitativer Einstieg in die tarifvertragliche Gestaltung gelungen ist, um die Beschättigten in die digitale Assekuranz mitzunehmen und den beispiellosen Umstrukturierungsprozess sozial zu gestalten. Mit den neuen Tarifregelungen und den ab Januar 2018 fortzuführenden Verhandlungen beginnen wir ein neues Kapitel der zukunftsorientierten Gestaltung unserer Tarifverträge im Versicherungsbereich“.

Christoph Meister, Mitglied im ver.di Bundsvorstand und Verhandlungsführer

Die ver.di-Tarifkommission stimmte dem Ergebnis zu.

Für Rückfragen: Martina Grundler 0163/2702290

Verhandlungskommission der Arbeitgeberseite

ver.di Verhandlungskommission



links: ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Christoph Meister
rechts: Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen und Vorsitzender des AGV
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John Doey

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  1. Die Tariferhöhungen auf 12 Monate gerechnet ergeben 1,58 %. Das ist weit unter der aktuellen Inflationsrate von 1,8 %. Dafür werden 4 Verhandlungsrunden und 3 Warnstreiks benötigt. Ein äußerst schlechtes Verhandlungsergebnis.

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  3. Mein Dank gilt der Verhandlungskommission. Es war sicher nicht leicht diesmal. Weder was AGV betrifft, noch die Unterstützung aus den Belegschaften. Somit ein gutes Ergebnis. Aber relativ am Aufwand, den ich persönlich investierte und daran, dass wir mit November 2017 beginnen und nicht mit Ablauf des letzten TV - ein weiterer Abstrich von den mir errechneten 1,734% (im Schnitt der nächsten 2 Jahre).

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  4. Schlecht, einfach nur schlecht und Enttäuschend. Und dann noch die Frechheit es als Erfolg zu werten. Der Herr Meister ist weit ab vom weltlichen Leben. Danke für nichts.

    Mein Vorschlag: Verdi sollte sich freiwillig aus Tarifverhandlungen zurückziehen und es der NAG überlassen.

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    1. ... weil NAG ja mehr Kollegen auf die Straße bekäme? Das bezweifle ich bei der Einstellung der "Kollegen", die ich zur Zeit erlebe.

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    2. Vielleicht hätte Verdi die angebotene Unterstützung von NAG annehmen können bzw. müssen!!!

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  5. Dieser enttäuschende Abschluss ist ein guter Grund aus der Gewerkschaft auszutreten.

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    1. ... der Logik kann ich nicht ganz folgen. Enttäuschend ist es für mich auch, aber ohne Gewerkschaft wären wir bei 0%

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    2. Verdi hätte aus meiner Sicht dem Angebot nicht zustimmen müssen. Weiterverhandeln und mit Warnstreiks untermauern wäre die logische Konsequenz gewesen.

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    3. Letztendlich ist es die zögerliche Unterstützung der Versicherungsangestellten, die hier den Ausschlag gibt. So traurig es ist: nur wenige meiner KollegInnen waren bereit zu streiken oder sich sonst wie am Arbeitskampf zu beteiligen. Hoffentlich sehen die jetzt den Zusammenhang.

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  6. So ein Tarifabschluss kann man Grotten-Schlecht bezeichnen! auch wenn überlegt das der 1.4.bis heute nicht Berücksichtigt wurde! Diese Tarifverhandlung zeigt das diese Gewerkschaft nicht unterstützen muss !!

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  7. und wieder ist von den Forderungen nix übrig geblieben - so wie in den Tarifverhandlungen zuvor auch. Das Ergebnis als positiv zu werten verstehe ich überhaupt nicht.

    Was ist denn von den Forderungen übrig geblieben?
    Hier zur Erinnerung:
    — Eine angemessene Erhöhung der Löhne und Gehälter inklusive aller Zulagen um 4,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten
    — Erhöhung der Auszubildendenvergütungen für alle Ausbildungsjahre um 50 Euro
    — Unbefristete Übernahme der Auszubildenden
    — Nur für ver.di Mitglieder: 80 Euro Monatsbeitrag für eine zusätzliche Altersversorgung

    Da ist aber viel der Verhandlungsmasse zum Opfer gefallen.

    Sorry, aber das war (wieder mal) gar nichts.

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  9. Verdi hat die Kolleginnen und Kollegen vor Beginn der Verhandlungen nach den wichtigsten Themen gefragt und als Ergebnis erhalten, dass die Zukunftsfragen im Zusammenhang mit dem durch die Digitalisierung rasch um sich greifenden Strukturwandel diesmal wichtiger sind als eine reine Gehaltsrunde.
    Daraufhin hat Verdi die Arbeitgeber mit Forderungen zur sozialen Begleitung dieses Strukturwandels konfrontiert.
    In drei Streikwellen ist es gelungen, die absolute Blockade des AG-Lagers zu durchbrechen und in diese Thematik mit ersten Umsetzungsschritten einzusteigen. Ein gewaltiger Erfolg für die Beschäftigten der Branche.
    Dass die Konzentration auf diese Zukunftsfragen nicht gleichzeitig zu deutlichen Steigerungen der Gehälter in diesem Jahr führen würde, sollte jedem Verständigen klar gewesen sein. Trotzdem bleibt voraussichtlich wieder ein Reallohn-Plus.
    Es ist mir unverständlich, mit welcher Ignoranz dieser Gesamterfolg kaputtgeredet wird, der mit einem verhältnismäßig niedrigen Organisationsgrad erkämpft worden ist.

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  10. Dieser Abschluss ist in der Tat sehr enttäuschend. Sehr kleine Erhöhung, die eigentlich gerade mal eine Anpassung an die Inflationsrate ist, erst ab 11/2017, dann eine weitere "Erhöhung" sogar unterhalb der Inflationsrate ab 12/18! Da haben sich die Arbeitgeber aber dieses mal voll und ganz durchgesetzt. "Meine" Versicherung hat 2016 das zweitbeste Konzernergebnis der Geschichte erzielt, die lachen sich doch jetzt tot bei den gehaltlichen Einsparungen, die viel größer sind als erwartet. Dazu kommen dann demnächst all diese Regulierungs-Bots und Schadens-Roboter...vielen Dank!

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  11. Heute im Handelblatt: Durchschnittliche Tariferhöhung über alle Sparten in 2017: 3,8%! Da ist das Ergebnis doch eher mau. Und die Inflationstate beträgt 1,8%. Wenn man die 2% ab November auf 2017 aufteilt, liegt das Ergbnis also deutlich unter der Inflationsrate. Dies ist kein Reallohngewinn. Rechnen kann ich noch.

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  12. Es sind Wahlen und da wollten anscheinend beide Seiten Unruhe vermeiden - der Gehaltsabschluss ist einfach eine Katastrophe - sieben Monate Nullrunde - das hat es noch nie gegeben. Als engagierter Gewerkschafter muss aber auch klar und deutlich gesagt werden: Bei dem niedrigen Organisationsgrad wie bei uns im Hause und den Auseinandersetzungen überhaupt mal einen Warnstreik durchzuführen wurde ich belächelt - aber nur so und mehr organisierte Kollegen und Kolleginnen die auch aktiv werden kann mehr erreicht werden. In ver.di wird des wegen dem Abschluß ziemliche Diskussionen geben - dessen bin ich mir sicher. Notwendig ist in Zukunft für die unteren Gehaltsgruppen keine prozentuale Steigerungen sondern Festbeträge auszuhandeln.

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  13. Immer das "Argument" des niedrigen Organisationsgrads... Genau, warum sollte denn jemand bei diesen "Ergebnissen" in die Gewerkschaft eintreten? Man schlägt das Angebot der NAG aus und gleichzeitig beschwert man sich? Nein, danke. Man wirbt mit einem so schlechten Ergebnis? Nein, danke. Man lügt praktisch den ANs ins Gesicht in dem man behauptet man würde hier einen Gewinn über der Inflation erzielen, vergisst aber bewusst die Nullmonate? Nein, danke. Sorry aber dieses Ergebnis ist eine Katastrophe und ich kann nur jedes Mitglied verstehen, das seine Konsequenz zieht und den Reallohngewinn dadurch rein holt in dem er für die Zukunft sich die Mitgliedsbeiträg spart.

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  14. VERDI muss sich dringend überlegen wie man die Kollegen zukünftig besser mobilisieren kann. Es waren m.E. deutlich zu wenige bei den Warnstreiks.
    Daher ist auch das miserable Ergebnis zu erklären....denke ich...

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  15. Das ist ein miserables Ergebnis und dieses ist nicht nur auf einen niedrigen Organisationsgrad zurückzuführen. Wenn ich mir die Bilder der Verhandlungskommissionen anschaue, habe ich den Eindruck, hier sind ungleiche Kräfte am Werk. Auf der einen Seite Vorstandsmitglieder, rhetorisch geschult und gewohnt zu verhandeln und auf der anderen Seite Teilnehmer, die zumindest teilweise als Arbeitnehmer bei Versicherungen tätig sind und ihren eigenen Vorständen gegenüber sitzen. Das kann nicht erfolgreich sein. VERDI sollte hier auf Verhandlungsprofis setzen, dann werden die VERDI-Vertreter auch ernst genommen.

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  16. OK, dass wir mit einem anderen Ziel (4,5% + Zukunftstarifvertrag Digitalisierung) losmarschiert sind, kann ich nicht leugnen.
    Und, ja, stimmt: Wir haben „nur“ einen Teil des Wegs zu diesem Ziel geschafft.

    Aber was die Gründe dafür angeht liegen die meisten hier wohl falsch:

    NEIN, es kommt bei Tarifverhandlungen nicht auf taktische Verhandlungs-„Maschen“, Rhetorik oder Taschenspielertricks an: Das EINZIGE was zählt ist der Nachdruck, mit dem wir unsere Forderungen unterstreichen! So bitter das ist:
    Wenn von 170.000 dann nur jeweils 10.000 an den Streiktagen auf die Straße gehen – dann ist die Deutung aus Sicht des AGV doch: Die anderen 160.000 sind wohl mit dem Arbeitgeber-Angebot einverstanden. In meinem Betrieb waren von 5000 Leuten nur 70 beim Streik dabei – als Gegengewicht für die Arbeitgeberseite in den Verhandlungen ist das nicht wirklich Respekt einflößend. Das ist frustrierend, aber:

    NEIN, das ist gerade KEIN Grund, aus ver.di auszutreten! Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wie aus dem Austritt eine Strategie zum Besseren werden soll. Und:

    NEIN, eine Zersplitterung in kleinere und Kleinst-Gewerkschaften mit Partikularinteressen erhöht diesen Nachdruck NICHT.


    UND: Wir haben in dieser Tarifrunde eine Reihe von Themen in die richtige Richtung angestoßen. Und 2018 wird es wieder nicht allein auf Tricks & Kniffe der Verhandlungskommission ankommen, um daraus substantielle Ergebnisse für die Beschäftigten zu machen – sondern auf Verhandlungs-GEWICHT.

    Übrigens:
    Ich habe als Mitglied der Großen Tarifkommission dem Abschluss zugestimmt. Aus voller Überzeugung. Denn das ist wohl auch in der Tarifpolitik so: Auch Tarifpolitik ist die Kunst des Möglichen. Wir brauchen ganz klar mehr Durchsetzungskraft, um dann auch mehr möglich zu machen!
    Geht ganz leicht: http://www.mitgliedwerden.verdi.de

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    1. Wie die Politiker: Viel versprechen und nichts kommt dabei raus und es am Ende sich auch noch selbst schön reden

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    2. Die Arbeitnehmer können durch eigenes Verhandlungsgeschick bei den Arbeitgebern wesentlich höhere Gehaltserhöhungen durchsetzen, wie die Verdi. Daher streiken sie nicht. Warum sollte ich streiken, wenn ich von Verdi eh nichts erwarte?

      Ach so, die NAG ist deshalb außen vor geblieben, weil man eine "Zersplitterung" bei Verdi fürchtet? Wie passt das zu dem Argument, dass es um Druck geht? Darf ich es so interpretieren, dass Verdi seine eigenen Interessen über die der Angestellten stellt?

      Und doch, Verhandlungsgeschick ist weit mehr als reiner Druck, Herr Pogacar. Ich verhandle täglich. Schade, dass Ihnen das noch nicht aufgefallen ist. Aber wer nimmt auch schon eine Verhandlungskommission ernst, wenn die Mitglieder mit roten Turnschuhen und Jeans gegenüber sitzen? Ja, ich weiß, bei Gewerkschaften ist eine gute Garderobe nicht gern gesehen. Aber wenn ich Verhandlungen führe, muss ich mich auch im Auftreten auf Augenhöhe bewegen. Offensichtlich hat man aber noch nicht mal die Basics bei Verdi verinnerlicht.

      Warum haben Piloten, Fluglotsen und die Metallbetriebe einen so hohen Organisationsgrad? Weil sie Ergebnisse liefern. Verdi wirbt weder mit Ergebnissen noch mit Aktionen und Präsenz. Von Verdi sieht man igentlich zwei Jahre nichts bis man dann beiläufig mal hört, dass die neue Tarifrunde begonnen hat. Und das war es.
      Mit einem Zitat von Henry Ford möchte ich abschließen: „Wer nicht wirbt, stirbt!“

      Schöe Grüße

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