Unterm Strich für Sie: Nichts.

+++ Umgerechnet nur 1,18 Prozent pro Jahr, bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,2 Prozent im Jahr +++ Laufzeit von 34 Monaten +++ Zusätzlich weitere Forderungen des Arbeitgeberverbands +++

Am 30. Oktober trafen sich der Arbeitgeberverband der Versicherungswirtschaft (agv) und ver.di zur zweiten Verhandlungsrunde für den Innendienst in Hannover. Die erste Runde war ohne ein konkretes Angebot der Arbeitgeber geendet. Das war in der zweiten Runde nur wenig anders. 

Zu Beginn der Verhandlungen unterstützten zahlreiche Beschäftigte der Versicherungswirtschaft aus Hannover und Bremen die Tarifrunde mit einem Warnstreik. Die zahlreichen Kolleginnen und Kollegen unterstrichen lautstark die Forderungen von ver.di. 

GEHALTS-"ANGEBOT" DER ARBEITGEBER

Die Arbeitgeber hielten ihr Gehaltsangebot nicht lange zurück. Um ihre "Angebote" zu begründen, malten die Arbeitgeber die Situation der Versicherungsbranche nochmals schlecht. Insbesondere das Zinsumfeld stelle die Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Doch sie sehen auch die "Verantwortung" für ihre Beschäftigten. AGV-Verhandlungsführer Dr. Eurich: "Wir bieten ihnen 4 Prozent bei einer Laufzeit von 34 Monaten."

Tatsächlich bedeutet dies im Detail:
- 5 Nullmonate von 01.09.2019 bis 31.01.2020
- zum 01.02.2020 eine Erhöhung von 1,7 %
- zum 01.02.2021 eine Erhöhung von 1,2 %
- zum 01.02.2022 eine Erhöhung von 1,1 %
Dies bedeutet umgerechnet auf die gesamte Laufzeit eine Erhöhung von 1,18 % im Jahr.


Abzüglich der Inflation = 0 % für Sie!

"Das ist kein verhandlungsfähiges Angebot. Weder bei der Laufzeit, den Erhöhungsschritten oder den Nullmonaten", kommentierte Martina Grundler, ver.di-Verhandlungsführerin das Angebot des AGV. "Die Beschäftigten haben eine klare Erwartungshaltung beim Thema Gehalt. 

Das ist kein Angebot, das ist eine Nullnummer."

Auch zu unseren weiteren Forderungen
- Wahlrecht zwischen Tariferhöhung und freien Tagen,
- Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit und
- unbefristeter Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung
gab es kein Angebot.

FORDERUNGEN DER ARBEITGEBER ALS "VORAUSSETZUNG FÜR EINEN TARIFABSCHLUSS"

Im Vorfeld der 2. Verhandlungsrunde übersandte der Arbeitgeberverband ihrerseits Forderungen an ver.di. Die von ihnen angestrebten Änderungen im Bereich des Manteltarifvertrags seien für sie Voraussetzung für einen Tarifabschluss. Entsprechend schwierig gestalteten sich die Verhandlungen.

So forderte der AGV eine "Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer bei Arbeitnehmerüberlassung" (Leiharbeit) von 18 auf 48 Monate. des Weiteren forderte der AGV die "Herausnehme ÜT-Angestellter aus der tarifvertraglichen Regelung zur Arbeitszeit". Hierbei sollen nach Willem der Arbeitgeber Beschäftigte mit einem Gehalt von ÜT + 20 % (71.187 Euro) zukünftig aus der tariflichen Arbeitszeit fallen. In der Praxis müssten diese Beschäftigten eine Verlängerung und eine Verlagerung der Arbeitszeit befürchten. 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,


Sie erwirtschaften die Milliardengewinne der Versicherungsbranche. Was bieten die Arbeitgeber Ihnen im Gegenzug? Unterm Strich: Nichts. Ihre Verhandlungskommission hat im Anschluss an die Verhandlungen eingeschätzt, dass ein angemessener Tarifabschluss am Verhandlungstisch alleine nicht zu erreichen ist. Deshalb wird die Große Tarifkommission kurzfristig Streikmaßnahmen vorbereiten.

Nur wenn wir bei den unausweichlich notwendigen Streikmaßnahmen eine große Beteiligung erreichen und damit die Arbeitgeber unter Druck setzen, können wir sie zu einem angemessenen Tarifabschluss bewegen.

Das ist ein absolut inakzeptables Gehaltsangebot. Jetzt müssen wir ALLE gemeinsam auf die Straße. Wir müssen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und unsere Forderungen deutlich machen. Jetzt braucht es jede und jeden Einzelnen, um die Arbeitgeber in der 3. Verhandlungsrunde am 29. November zu einem deutlich besseren Angebot zu bewegen!

Für sie haben verhandelt: Martina Grundler (ver.di), Kerstin David (Provinzial Kiel), Frank Fassin (ver.di), Frank Weber (Württembergische), Daniel Schmidt (General), Dirk Gründers (ERGO Düsseldorf), Petra Rick (ERGO Köln), Petra Sadowski (ver.di), Matthias Wendler (Allianz Stuttgart), Ines Hollendieck (AXA Köln), Michael Meyer (Debeka Koblenz), Anne Wimmersberg (Provinzial Münster), Maike Hornig (Jugend, Provinzial Düsseldorf.)
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John Doey

John Doey

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  1. Ein dreistes Angebot der AGV. 1,2% Inflation ist sehr niedrig angesetzt. Steigen die Energiepreise bald wieder (was zu erwarten ist), geht es sicherlich eher gegen 2%. Rekordgewinne werden erwirtschaftet und das soll der Dank sein? Ein weiterer Reallohnverlust, während im ÖD und co. teilweise jährlich 3% mehr gezahlt werden?

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  2. Wenn diese Art der Arbeitnehmerwertschätzung bei gleichzeitiger Erwirtschaftung von Milliardengewinnen so weiter geht, werden die Arbeitnehmer das Leistungsniveau
    künftig halt auch dem Gehaltsentwicklungs,-und Wertschätzungsniveau anpassen müssen.

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    1. Ja genau, genau so wird es bestimmt funktionieren.... [ironieoff]

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    2. Ich habe nicht geschrieben, dass dann irgendetwas funktionieren wird, insofern kann ich Ihren (superironischen, danke auch für den wichtigen Hinweis auf die Ironie!) Kommentar nicht nachvollziehen.
      Man kann mit Engagement arbeiten, oder aber Dienst nach Vorschrift machen.
      Wenn über Jahre hinweg Abschlüsse gemacht werden, die teilweise unter der Inflationsrate liegen, wird man sich wohl eher langfrisitg für letzteres entscheiden. Für einen Arbeitgeber ist das fatal.

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    3. Und ich glaube viel mehr, dass wer zukünftig nicht das benötigte bzw. abverlangte Engagement mitbringt, das Teilweise weit über das bisherige hinausgeht, über kurz oder lang zuhause bleiben kann.

      Die Zeiten in denen man gefühlt ungerechte Bezahlung durch schlechte bzw. standardmäßige Arbeitsleistung "abstraft" sind meiner Meinung nach vorbei und führen mittelfristig zu einer eher noch schlechteren Situationen eines jeden Einzelnen. Soll heißen, dass individuelle Versuche eines Einzelnen den AG zu verdeutlichen was man von solchen Abschlüssen hält nicht zielführend sind. Einzig in der Gemeinschaft kann man Stärke zeigen und etwas bewegen. Aber genau an dieser Stelle versagt Verdi seit Jahren!

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    4. "Einzig in der Gemeinschaft kann man Stärke zeigen und etwas bewegen. "
      Illustre Worthülsen. Konkrete Vorschläge? (außer Streik, den man dann nacharbeiten darf, weil nun mal keine Fließbänder stillstehen wie in der Industrie und der somit keine relevanten Folgen hat)

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  3. Warum gibt es nicht viel mehr Aktionen für einen besseren Abschluss... Es heißt immer kommt in unseren Club, denn es beteiligt sich keiner, aber an unserem Standort gab es bisher nicht einmal eine einzige Info von Verdi. So kann man die AG auch nicht unter Druck setzen. Ich hoffe einfach nur, dass sich Verdi diesmal nicht wieder mit so einem schlechten Angebot abspeisen lässt und sich am Ende als einziges selbst feiert weil man an die 2% erreichen konnte. Ich empfinde Verdi schon lange nicht mehr als würdige und durchsetzungsstarke Gewerkschaft um die Forderungen der Arbeitnehmer zu vertreten, als auch durchzusetzen!!

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  4. Wie wäre es, wenn Verdi den immer wieder "nach unten gedrückten" Lohnabschlüssen mal entgegenhält, wie sich bspw. die Vorstandsgehälter in der Versicherungsbranche über die Jahre entwickelt haben?
    Ich gehe davon aus, dass man dort wesentlich höhere Steigerungsraten sehen wird.
    Insgesamt geht diese Rechnung der AGV-Verhandlungsführer nämlich nur für Aktionäre und leitende Angestellte auf.
    Inflation und Produktivitätsfortschritt sowie dem darauffolgenden Stellenabbau müssten nach Adam Riese doch zumindest mittelfristig zu mehr Umsatz und auch Gewinn führen. Somit sollte für die Belegschaft etwas mehr drin sein.
    Nicht zu vergessen der gerne betonte "Fachkräftemangel". Wie wollen sich die Versicherer noch Fachkräfte schnappen, wenn in anderen Branchen seit Jahren wesentlich bessere Lohnabschlüsse gemacht werden?

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  5. Die Bezahlung ist in Relation zu anderen Branchen schlicht zu niedrig für Tarifangestellte. Zumal das Bildungsniveau im Schnitt auch deutlich höher ist, als in vielen verarbeitenden Branchen und deswegen höhere Entgelte zu erwarten wären.

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  6. Wie wollen wir den mehr, wenn wir uns nicht engagieren und z.B. Mitglied bei Verdi werden?
    Verdi hat kaum Mitglieder in der Versicherungsbranche, also können Streiks etc. nur teilweise aufgerufen werden, was natürlich die AGV kaum unter Druck setzt.
    Wir wollen alle mehr, können aber nur "GEMEINSAM" was erreichen.
    Schaut euch die IG-Metall an, da zittern die AGV wenn zu Streiks aufgerufen wird, weil das teilweise ganze Produktionshallen lahmlegt.
    Was würde denn in der Versicherungsbranche passieren, wenn fast alle Mitarbeiter streiken? Die Millionenverluste an einem Tag, würde den AGV schnell zum nachdenken anregen... Nur so, haben wir überhaupt mal eine Gelegenheit etwas spürbares zu erreichen.
    PS: Nur Gewerkschaftsmitglieder dürfen streiken, also ihr wisst, was zu tun ist.

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    1. Halbwissen bitte behalten. Nei streiken dürfen auch nicht gewerkschaftsmitglieder, diese bekommen nur kein streikgeld.

      Verdi Mitglied werden? Sofort sobald verdi gezeigt hat, dass sie was für AN zustande bringen und nicht nur mit den überhöhten Beiträgen ihre eigenen Bonzen füttern.

      Ein Streik über ein Tag bringt gar nichts, die Arbeit bleibt liegen und wird am nächsten Tag erledigt. Hier muss an den Sparten wichtigen Tagen Spartenabhängik gestreikt werden. Z.b. KFZ im November, Schaden nach Kumulereignissen, Buchhaltung zu den Jahresabachlüssen etwa.

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  7. Vielleicht sollte sich verdi mal ein Beispiel am Tarifabschluss der Klinkbeschäftigten nehmen. 4,1 % rückwirkend ab 1.November und zum Februar 2020 nochmals 3% mehr

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  8. Wieder liegt ein im Vergleich unterdurchschnittlicher Tarifabschluss mit Reallohnverlusten auf dem Tisch. Wieder stehen 5 Nullmonate im Raum, wie bereits in den letzten Tarifabschlüssen (2017: 7 Nullmonate, 2015: 5 Nullmonate, 2013: 4 Nullmonate). Wie kann es sein, dass solche Vereinbarungen von der Gewerkschaft wiederholt akzeptiert werden?

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  9. Welches ist die genaue Adresse für Freitag, 29.11.? Maximilianstraße 53 in München? Und wann geht es dort los? ICH werde auf jeden Fall dabei sein!!

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